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Eine schwarze sternenklare Nacht. Die 30m hohen Tannen zeichnen sich nur als dunkle Silhouetten gegen das Mondlicht ab. Wir sind allein, der Schnee ringsum glitzert und lässt uns nur einen Meter weit sehen. Plötzlich, ganz in der Nähe, heulte ein Wolf, ein Bär brummt in der Ferne. Das Blut in meinen Adern rast. Der Schweiß, so kalt wie der bläulich leuchtende Schnee, läuft mir den Rücken hinunter. Da, direkt vor mir ein Schatten zwischen den Bäumen, dann ein zweiter und ein dritter. Ich höre mein Herz schlagen und wenn ich wieder zu Atmen wage, denke ich es müsste kilometerweit zu hören sein. Ein Reißen, ein Knacken ist deutlich auszumachen und keine fünf Meter vor mir vernehme ich irgendetwas schmatzen.
Dann urplötzlich leuchtet eine Taschenlampe auf und unser Führer richtet sie auf den Weg auf dem wir stehen. Die Spannung löst sich, ein wenig. Im Halbschatten seiner Funzel erkenne ich einen großen Wolf der Stück für Stück Fleisch aus einem Kadaver reißt.
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Jetzt schwenkt der Lichtkegel direkt auf das stattliche Tier. Wir dürfen nun auch nahe an den Zaun heran und stehen ca. drei Meter vor dem Wolf. Ein irres Gefühl. Alles war ich über Rotkäppchen oder die sieben Geißlein gehört habe passt so gar nicht in die Szene. Viel eher das was ich in den letzten Monaten in der Literatur und in Sachbüchern gelesen habe. Der Wolf, nein, es ist eine Wölfin lässt sich durch uns nicht stören. Ich sehe wie spielerisch sie das Fell vom Kadaver löst. Sie zieht Steifen mit einer Leichtigkeit ab, wie ich das Klebeband von einem Versandhauspaket. Dann holt sie sich die besten Stücke aus dem Inneren heraus und ich kann ihre langen Reißzähne ganz genau erkennen. Ich spüre die Kraft der Kiefer bis zu mir herüber und bin von dem Schauspiel völlig in den Bann gezogen. Es kommt mir so vor als müsste ich aufhören zu Atmen um sie nicht zu stören und ich kann den Blick nicht abwenden. Welch faszinierende Tiere!
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Wir, eine kleine Gruppe von 8 Leuten, sprechen mit dem Mitarbeiter des Parks eine ganze Weile über die Wölfe im Allgemeinen, über die hier in Worbis und natürlich auch über die frei lebenden in Deutschland. So bekomme ich jede Menge Informationen über Canis lupus und seine Verwandten, die in noch keinem Buch standen welches ich bisher las. Es ist für uns alle eine tolle Erfahrung hier zu sein. Wenn die Gruppe auch aus sehr wenigen Teilnehmern besteht, so sind die 150 Minuten(statt 90) wie im Flug vergangen und es war ein gelungener Samstagabend. Der Bärenpark im Allgemeinen und die „Nacht der Wölfe“ ist jedem, besonders den jungen Menschen zu empfehlen.
Linus Mannteufel
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